Ich höre was, was du nicht siehst
Eine Veranstaltung der Filmreihe Köln

Was passiert, wenn kein Ton zu hören oder kein Bild zu sehen ist? Wie bedingen und beeinflussen sich diese beiden Ebenen und wie konstituieren sie die Wahrnehmung von Film? Das diesjährige Kurzfilmprogramm widmet sich unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung im und durch Film.

Die Filme des ersten Abends thematisieren verschiedene Formen des Sehens und der Sichtbarkeit, die des zweiten Abends zeigen Sprache, Gesten und Gebärden als zentrale Merkmale von Kommunikation. Sie konfrontieren das Publikum mit der Schwierigkeit, eine treffende Übersetzung im zwischenmenschlichen Austausch zu finden und ein damit verbundenes Verständnis füreinander herzustellen. Die Beiträge des dritten Abends folgen medialen Verschiebungen und erkunden das Auseinander- und wieder Zusammenfallen von Bild und Ton im Film. Alle drei Abende gehen der Frage nach, wie sich Wahrnehmung formal, technisch, aber auch narrativ, künstlerisch in den jeweiligen Werken zeigt und wie sie durch diese vermittelt wird.



Sehen ⁄ nicht-sehen ⁄ anders-sehen
das menschliche und das maschinelle Auge

Mo 5. Oktober, 20.30h / Filmhauskino Köln

Wird die Welt durch die Kamera gesehen zu einer anderen? Wird sie größer oder kleiner, reicher oder ärmer? Verändert sich die Wahrnehmung durch Film? Was wird sichtbar, wenn ‚nichts‘ zu sehen ist? Und was passiert, wenn Maschinen mit ‚Augen‘ ausgestattet werden? Die ausgewählten Filme beschreiben, wie die Idee zu einem Film entsteht und versuchen eine Annäherung an eine Sicht der Welt, die durch Sehbeeinträchtigung oder Farbenblindheit geprägt ist. Am Haus installierte Überwachungskameras ermöglichen einer bewegungsunfähigen Protagonistin den Kontakt zur Außenwelt. Der zweite Teil des Abends fokussiert kameragesteuerte Maschinen, die sich zwischen Optimierung und Bedrohung bewegen, gefolgt von einer überspitzten Vision der Manipulationsmöglichkeiten in einer durch technische Hilfsmittel erweiterten Realität.

night of the world, Zbyněk Baladrán, 2011, 2 Min.

Der beste Weg, Angelika Herta, 2014, 9 Min.

the achromatic island, Sofie Thorsen, 2009/2010, 15 Min.

holding still, Florian Riegel, 2010, 27 Min.

Auge/Maschine, Harun Farocki, 2000, 23 Min.

Sight, Eran May-raz/Daniel Lazo, 2012, 8 Min.

„der Ausdruck der Hände“
kommunizieren und übersetzen

Mo 12. Oktober, 20.30h / Filmhauskino Köln

Sprache, Gesten und Gebärden rücken an diesem Abend in den Fokus, Herausforderungen zwischenmenschlicher Kommunikation werden thematisiert. Die Schwierigkeit, sich gegenseitig zu verstehen und eine passende Übersetzung für bestimmte Meinungsäußerungen zu finden, wird filmisch reflektiert. Die ersten Filme rücken die Hand und die körperliche Geste in den Mittelpunkt: Wir verfolgen ein Gespräch zwischen einem taubblinden Ehepaar und sehen die Übersetzung eines Liedes in Gebärdensprache sowie die Hand als Motiv im Film. Im Weiteren sind es die jeweiligen Protagonisten, deren besondere Weise zu kommunizieren im Zentrum steht, wenn wir beispielsweise erfahren, wie der stotternde Emil die Welt sieht. Die beiden letzten Filme spielen mit dem Problem der unmittelbaren Übersetzung einer auditiven Quelle in eine schriftliche und verbal ‚korrekte‘ Form.

Lormen, Julia Daschner, 2003, 4 Min.

Wie still es im Wald ist, Wolfgang Müller (Musik: Die Tödliche Doris), 1982/1998, 2 Min.

Der Ausdruck der Hände, Harun Farocki, 1997, 30 Min.

DEF, Ian Clark, 2003, 14 Min.

Emil, Simon Steinhorst, 2013, 5 Min.

Crazy Talk, Gabriel Mitchell, 2010-2011, 9 Min.

Shoum, Katarina Zdjelar, 2009, 7 Min.

Lost and found, Klaus Lemke (Musik: Mouse on Mars & Eric D Clark), 2014, 4 Min.
(aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen)

Synthesen?
Sichtbare Töne und verschobene Bilder

Mo 19. Oktober, 20.30h / Filmhauskino Köln

Was geschieht, wenn Einheiten von Bild und Ton abhandenkommen, was wenn sich neue bilden? Der Abend beginnt mit dem Fokus auf Irritationen, die durch abwesenden Ton entstehen. Experimente der Tonerzeugung gehen über in faszinierende Versuche, visuelle Entsprechungen für Musik zu finden. Irrlichternde psychedelische Effekte und Stroboskopexzesse sorgen zugleich für die Stimulation und Störung der Sinne und führen bis an die Grenzen des menschlichen Fassungsvermögens. Wie verschiebt sich die Wahrnehmung, wie die filmische Ordnung, wenn audio-visuelle Elemente neu kombiniert werden? Blitze trommeln auf Tische und Farben flackern im Donnern eines Gefechts. Der Abend endet mit Lichtpunkten und einer Illusion des Verschwindens, die den Raum weit öffnet für eine Reflexion über Wahrnehmung.

Intervista, Anri Sala, 1998, 26 Min., courtesy the artist and Hauser & Wirth

Inaudible, Lina Sieckmann, 2013, 5 Min.

TÖNENDE HANDSCHRIFT I. DAS WUNDER DES GEZEICHNETEN TONES, Rudolf Pfenninger, 1932, 14 Min.

rhythm in light, Mary Ellen Bute, 1934, 5 Min.

Cream theme, Zeitguised (Musik: Mouse on Mars), 2014, 3 Min. (aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen)

Feels like we only go backwards, Becky Sloan/Joseph Pelling (Musik: Tame Impala), 2012, 3 Min.

Summer lightnings, Victor Alimpiev, 2004, 2 Min.

Murphy, Bjørn Melhus, 2008, 4 Min. (aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen)

Test, Józef Robakowski, 1971, 6 Min.

Black hole, Johanna Reich, 2009, 2 Min.

Filmhauskino
Maybachstr. 111
50670 Köln
Eintritt: 7,00 Euro/ Ermäßigt: 6,00 Euro